Geparden

Phantastische Geschöpfe ...

Langbeinig, grazil und elegant vereinen sie in sich kraftvolle Dynamik, sind schnell, wendig, geschmeidig und dabei von einer majestätischen Schönheit, die schon an aristokratische Extravaganz grenzt.

 

Geparde sind einfühlsam. Sie sind zärtliche und liebevolle Mütter. Sie sind in ihren Eigenschaften hochspezialisiert. Und sie sind scharfsichtig: Geparde können noch viel besser sehen als ein Mensch mit Fernglas!

 

Geparde sind Energiesparer. Eine der wichtigsten Gepardenregeln heißt: Vermeiden von Energieverschwendung!

 

Die aufwendige Jagdtechnik, Tageshitze, das Versorgen von bis zu fünf Jungen: alles kostet die Gepardin wertvolle Energie. Der ganze Tagesrhythmus ist dem sparsamen Umgang mit der körpereigenen Energie untergeordnet. Geparde sind nur morgens und abends sowie während der schattigen Tageszeiten aktiv. In der Mittagshitze wird generell geruht. So funktioniert das Gepardenleben, sofern keine Störungen eintreten.

Lebensraum

Die einzigen fossilen Zeugen des Gepards findet man in Asien. Darauf beruht die Vermutung, dass der Gepard von Asien aus den afrikanischen Kontinent erobert hat.

 

Aus heutiger Sicht war die afrikanische Unterart wesentlich erfolgreicher. Die asiatische Unterart ist mittlerweile in der freien Wildbahn ausgestorben. Der letzte indische Gepard wurde beispielsweise Anfang der 1950er-Jahre geschossen.

 

Heute leben noch maximal 10.000 Geparden südlich der Sahara.

 

Die Bestandsentwicklungen sind alarmierend. Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Gepard in naher Zukunft nur noch in wenigen geschützten Gebieten überleben wird.

Geparde leben in einem nachts kühlen, tagsüber heißen, meist schattenlosen Land. Sie bevorzugen die baumlose Steppe, an die ihre Konstitution optimal angepasst ist. Sie sind auf große zusammenhängende Gebiete angewiesen. Der stetig schrumpfende Lebensraum zwingt Geparde jedoch zum Rückzug auch in unzugängliches Buschland. Das Leben im Busch birgt deutlich erschwerte Lebensbedingungen.

 

Bei der Standortwahl orientieren sich Geparde an ihren Beutetieren. Am liebsten jagen sie Thomsongazellen (in Namibia: Springböcke). Während der Wanderungen dienen Erdhügel, selten auch ein Baum oder Felsen, als Aussichtspunkt, um nach Beute oder Feinden Ausschau zu halten.

 

Bis zum Alter von sechs Monaten bleiben Geparde ihrem Standort innerhalb eines größeren Gebietes relativ treu. Mit zunehmendem Alter der Jungen werden die Wanderungen immer ausgedehnter bis zu circa 35 Kilometern am Tag.

 

Neben dem Nahrungsangebot beeinflussen mögliche Gefahren durch Löwen oder Hyänen den Aufenthaltsort und führen gegebenenfalls auch zu einem generellen Standortwechsel.

Weltspitze

Geparden sind Weltspitze!

Sie sind die schnellsten Landsäugetiere der Erde. Eine Höchstgeschwindigkeit von 114 bis 120 Stundenkilometer erreichen Geparde im Spurt, allerdings nur über eine kurze Distanz von circa 600 bis 800 Metern. Dies muss ihnen für einen Jagderfolg genügen.

 

Der Gepardenkörper ist ganz auf die schnelle Fortbewegung eingestellt. Er verfügt über lange Extremitäten und eine extrem mobile Wirbelsäule. Die ab dem vierten Lebensmonat nicht mehr einziehbaren Krallen dienen als ‚Spikes‘ und sorgen so für Trittfestigkeit und Antrittsschnelle. Im Spurt können Geparde die Hinterbeine vor die Vorderbeine setzen. Die besonders großen Nasenlöcher sorgen für eine bessere Atmung und Sauerstoffversorgung bei den extremen Spurts.

 

Mit der Atmung kühlen Geparde ihren erhitzten Körper nach den Spurts herunter, denn sie haben fast keine Schweißdrüsen. So verbrauchen sie weniger Flüssigkeit und haben außerdem keinen Körpergeruch.

Gefahren

Die natürlichen Feinde der Geparde sind Löwen, selten auch einmal Leoparden, vor allem während der ersten Lebensmonate. Löwen töten die jungen Geparde und lassen sie dann liegen. Diese Gefahr ist erst vorüber, wenn die jungen Geparde groß genug sind, um schneller zu laufen als ihre Feinde. Die Geparde flüchten dann sternförmig in alle Himmelsrichtungen, so dass sich die Gefahr für den Familienverband reduziert.

 

Ähnlich verhält es sich mit Hyänen. In der Regel begnügen diese sich aber damit, den Geparden ihre erlegte Beute "abzujagen".

 

Waffen der Geparden:

 

  • Aufmerksamkeit
  • Gute Geländeübersicht
  • Schnelligkeit
  • Hervorragende Tarnung ihres Fells

 

Natürliche Gefahren haben den Bestand nie ernsthaft bedroht.

 

Wäre da nicht der Mensch!

 

Als Spezies verursacht der Mensch generell zwei tödliche Gefahren:

 

  • Zerstörung des natürlichen Lebensraums sowie Störung und Veränderung der natürlichen Abläufe, dies führt beispielsweise zu einem übermäßigen Anstieg der Löwenpopulation.

 

  • Auf Safari unterwegs stört er - oft aus Unwissenheit - Jagden oder schreckt ruhende Geparde in der Mittagshitze auf. Der ausgeklügelte Energiehaushalt und die empfindliche Körperphysiologie lassen Geparde sehr empfindlich auf Störungen durch den Tourismus reagieren. So kann schon ein falsches Verhalten einem Gepardenjungen das Leben kosten.

Kommunikation

Geparde verständigen sich untereinander in erster Linie nonverbal, also über Gedanken, Fühlen und Verhalten. Im Unterschied zu dem gewaltigen Löwengebrüll oder dem durchdringenden Hyänengekicher sind die Laute der Geparde generell zurückhaltend und eher leise.

 

"Gepardensprache"

 

  • Die Gepardenmutter ruft ihre Jungen mit einem hohen "Miauen".
  • Das helle "Fiepen" der Gepardenbabys erinnert an Vogelgezwitscher.
  • Die hellen "Gurr-Laute" der Jungen zeugen von Neugierde, überlagert mit Angst.
  • Schnurren symbolisiert Wohlbehagen.
  • Das katzentypische "Fauchen" signalisiert aggressive Abwehr.

Mahlzeiten

Wilde Geparde fressen generell nur selbst erlegte frische Beute, kein Aas. Für das Überleben einer Gepardenfamilie steht immer die Deckung des Energiebedarfs der Jägerin im Vordergrund. Wenn die Jungen noch klein sind, bedeutet dies, dass bei Nahrungsengpässen die Mutter frisst und die Jungen dann leer ausgehen müssen. Später, wenn die Jungen bereits in der Lage sind zu jagen, dreht sich dieses Prinzip um.

 

Geparde haben eine aufwendige Jagdtechnik und einen ungewöhnlich schnellen Stoffwechsel. Eine Gepardenfamilie hat deshalb einen hohen Energiebedarf und benötigt im Optimalfall täglich Nahrung.

 

Wettlauf mit der Zeit

 

Das Fressen ist für Geparde immer ein Wettlauf mit der Zeit. Da sie ihre Beute nicht gegenüber Löwen oder Hyänen verteidigen können, fressen Geparde sehr schnell und halten sich nicht länger als eine Stunde bei der Beute auf.

Jagen

Jagdtechnik

 

Der Gepard schleicht unbemerkt möglichst nahe an die Beute heran (bis auf ca. 40 Meter). Wendet die Beute den Blick ab, ist dies ein Auslösemechanismus. Über eine Distanz von 600 Metern kann der Gepard seine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 120 Stundenkilometern aufrecht erhalten. Dann muss er die Beute mit den Vordertatzen zu Fall gebracht haben. Ein gezielter Würgegriff an die Kehle erstickt die Beute sehr schnell.

 

Tribut einer Jagd ist ein extrem erhitzter Gepardenkörper, der durch heftiges Atmen innerhalb der nächsten 15 Minuten wieder herunter gekühlt wird. In der Zwischenzeit sind Geparde sehr anfällig gegenüber Attacken von Nahrungskonkurrenten. In diesem Fall geben sie die Beute ohne Gegenwehr auf. Für die Geparde bedeutet dies mindestens einen doppelten Energieverlust, da sie ja erst wieder zu einem Jagderfolg mit gleichem Energieaufwand kommen müssen.

Jagen lernen die Jungen durch genaues Beobachten ihrer Mutter. Die Jungen selbst starten zunächst recht unbeholfen - in etwa ab dem fünften Lebensmonat - ihre Jagdversuche mit jungen Gazellen. Neben Gazellen sind Hasen und Vögel weitere Beutetiere der Geparde.

 

Jagderfolg

 

Der Jagderfolg ist abhängig von dem perfekten Beherrschen der Jagdtechnik und der entsprechenden Erfahrung, von der Geländebeschaffenheit und dem generellen Nahrungsangebot. Durchschnittlich führen 10-20% der Versuche zum Jagderfolg.

 

Problematisch können sich Störungen durch unbedachte Touristenfahrzeuge auswirken. Falls ein Jagdversuch nicht erfolgreich verläuft, kann dies bereits das Überleben eines der Jungen in Frage stellen.

Entwicklung

Größe

 

Geparde werden etwas mehr als schäferhundgroß. Männchen erreichen eine Länge von 2,20 Metern, wobei der Schwanz circa 90 cm ausmacht. Weibchen erreichen ungefähr drei viertel der Masse.

 

Einzelgänger...

 

Generell sind Geparde Einzelgänger. Trifft man sie in Gruppen, so handelt es sich entweder um eine Mutter mit ihren Jungen oder um Junggeparde. Die Männchen jagen manchmal im Zweier- oder Dreierverband und sind dann in der Regel Geschwister. Sie beteiligen sich generell nicht an der Aufzucht der Jungen.

 

Kopulation und Wurfzeit

 

Kopulation und Wurfzeit sind an keine festen Zeiten gebunden. Nach einer Tragzeit von 90-95 Tagen werden bis zu fünf 250-280 Gramm schwere Junge geboren. Während der ersten 8-11 Tage sind sie noch blind. 6-8 Wochen werden die Jungen gesäugt. Nach 20 Tagen bekommen sie erstmals Fleischnahrung.

Die Gepardenfamilie

 

Eine Gepardenfamilie besteht aus der Mutter mit den Jungtieren des letzten Wurfs. Die Mutter ist allein für die Versorgung, Erziehung und Ausbildung der Jungen verantwortlich.

 

In den ersten Lebenswochen haben die Jungen eine lange graue Nackenmähne, die sich mit zunehmendem Alter zurückbildet.

 

In den ersten drei Lebenswochen bleiben die Jungen in einem Grasversteck zurück, während die Mutter jagen geht. Danach folgen ihr die Jungen, werden aber während der Jagd weiterhin versteckt. Bis zum Alter von sechs Monaten sind die Gepardenkinder extrem anfällig gegenüber Angriffen von Feinden wie Löwen, Hyänen oder Leoparden. Ihr einziger Schutz ist die Tarnung ihres Fells und striktes Verstecken.

Spielen

Geparde sind die geborenen Jäger. Jagdinstinkt und alle Elemente, die letztendlich zum Jagderfolg führen, sind angeboren. Allerdings müssen die Fähigkeiten im Lauf der Entwicklung vervollkommnet werden. Sie werden im Spiel trainiert.

Spielend lernen fürs Leben...

 

Alle relevanten Elemente des späteren Lebens werden spielerisch geübt: Lauern, Anschleichen, Spurten, mit den Vordertatzen das "Beutetier" (Spielpartner) zu Fall bringen, Würgegriff und vieles mehr. Im Spiel werden alle Verhaltensweisen und Funktionskreise frei kombiniert, auch wenn sich diese im späteren Leben gegenseitig ausschließen.

 

Voraussetzung für Spielverhalten ist eine entspannte Situation. Wenn Erstbezüge auftreten (Jagd, Gefahr) wird das Spiel sofort beendet.

 

Das Spiel ist ein wichtiges Element der sozialen Bindung. Alle Familienmitglieder nehmen daran teil. Allzu aggressive Handlungen in spielerischen Kämpfen werden durch Schmerzenslaute gehemmt.

 

Wenn die Mutter mitspielt, demonstriert sie Fertigkeiten, die für die Jagd wichtig sind. Besonders intensiv muss der Einsatz des Schwanzes als Lenkruder beim Spurt trainiert werden.

"Zungenküsse"

"Zungenküsse" haben eine große Bedeutung im Gepardenleben. Sie dienen der gegenseitigen Fellpflege, pflegen den Sozialkontakt und haben Schutzfunktionen.

 

Schutz vor Krankheite

 

Das Lecken des Fells schützt die Babys vor Krankheiten wie beispielsweise Rachitis, eine häufige Todesursache in den ersten Lebenswochen.

 

Reinigung des Fells

 

Mit der Zunge reinigen die Geparde ihr Fell, besonders nach dem Fressen, wenn es die Spuren der Mahlzeit zu beseitigen gilt.

Familienbande

 

"Zungenküsse" sind auch Zeichen gegenseitiger Zuneigung untereinander und festigen die Familienbande. Gerade in den ersten Monaten haben die Gepardenkinder einen sehr engen Körperkontakt zur Mutter. Dies vor allen Dingen auch nachts, wo es in der Steppe oft empfindlich kalt wird.

 

Später schlafen die Jungen eher unter sich, während die Mutter etwas entfernter ruht. Allerdings entfernen sie sich nie weiter als circa 20 Meter voneinander, so dass sie jederzeit Blickkontakt halten können.

"Morgentrunk"

 

Zur Begrüßung der ersten Sonnenstrahlen gibt es einen "Morgentrunk". Die Geparde lecken sich gegenseitig den Tau aus dem Fell. Dies ist oft die einzige Möglichkeit, in der wasserlosen Steppe Flüssigkeit aufzunehmen.

 

So ein richtiges "Trinkgelage" bietet oft nur ein heftiger Regenguss: Wie viele Katzen mögen es Geparde überhaupt nicht, nass zu sein. Umso schneller "trinken" sie sich mit der Zunge das Fell wieder trocken.

© Matto Barfuss

Web: Martina Jandová